Katzen
Ja, ich bin es ! Geboren 1994, hatte ich kein so sehr schönes Leben. Ach, über die Jahre möchte ich fast nicht reden. Erst 2008, als ich im Tierheim Berlin abgegeben wurde, da begann alles sich zu verändern.
Aber nun mal der Reihe nach.
Na gut, früher durfte ich frei umherstreunen, mit anderen Katern raufen, bei den Nachbarn frühstücken. Aber es gab auch genug Menschen, die mich nicht mochten, die nach mir traten und mich aus dem Garten jagten, weil sie wirklich glaubten, ich würde die Singvögel fressen.
Sogar so ein dummer Jäger im Wald dachte, ich würde die Wildtiere verschrecken oder verjagen. Mein Gott, haben die denn ihr Gehirn im Gewehrlauf ? Wir Katzen haben schon gejagt, da habt ihr Menschen noch in Höhlen und auf Bäumen gelebt, aber der Tierwelt hat es nicht geschadet. Manchmal erinnere ich mich noch an die früheren Leben. Wir Katzen kommen nämlich immer wieder als Katzen auf diese Welt, im Gegensatz zu den meisten anderen Lebewesen. Manchmal wird man auch eine Großkatze, ein Löwe, ein Tiger, ein Leopard, aber eben immer eine Katze.
Aber ich wollte ja von den letzten Jahren erzählen.
Also ich kam 2008 ins Tierheim Berlin, dort stellte man fest, dass ich "Diabetes" habe. Aha, daher der Durst in letzter Zeit, und meine Nieren scheinen auch nicht mehr so richtig zu funktionieren.
Nun muste ich jeden Tag zwei Spritzen bekommen - morgends und abends - das fand ich erst einmal gar nicht so gut. Auch das Futter gefiel mir nicht besonders, es war immer die gleiche Sorte, weil die Dosenöffner im Heim gesagt haben, das schont meine Nieren und ist besonders nahrhaft.
Bäh, wollt ihr jeden Tag denselben Brei, nur weil er die Nieren schont oder nahrhaft ist ?
Da war ich schon recht unzufrieden.
Und an den Besucher- und Familientagen durfte ich im Heim auch nicht teilnehmen, da ich in einem Haus eingesperrt war, das Besucher nicht betreten durften - wie langweilig.
Aber dann kamen doch zwei Menschen zu mir, da habe ich gestaunt. Im Mai 2008 war das, und sie wollten mich mitnehmen, wenn ich das richtig verstanden hatte. Allerdings durften sie das an dem Tag nicht, weil ich mich nicht so wohl fühlte (na wie auch, siehe oben).
Also musste ich schnell wieder gesund werden (abgesehen von der Diabetes, die geht ja nicht mehr weg).
Und sie kamen tatsächlich wieder, da habe ich mich gefreut. Ich musste dann in eine Plastikkiste klettern und wurde eine ganze Weile umhergetragen, das war langweilig. Erst als ich die beiden dann daran erinnerte, dass ich auch noch da bin und nun langsam mal wieder aus der Kiste raus will, haben sie mich dann weggebracht.
Und als der Deckel endlich wieder aufging befand ich mich in einem schönen großen Wohnheim, viel größer als der blöde Glaskäfig im Tierheim. Eine kleine schwarze Mieze war dort zuhause, der habe ich gleich mal die Meinung gesagt.
Und als mir die Dosenöffner dann meine Spritze geben wollten, da habe ich ihnen gezeigt, was ich nicht so gerne mag - festgehalten zu werden nämlich. Vielleicht war ich ein bisschen zu grob, jedenfalls haben sie beide geblutet. Aber geschimpft haben sie nicht mit mir, da hat es mir fast leid getan.
Na ja, wir haben uns jedenfalls schnell aneinander gewöhnt, und auch das Spritzen morgens und abends ging dann recht gut. Manchmal musste ich sie sogar daran erinnern, dass es Zeit für meine Insulinspritze ist.
Und wenn es mir dann am Vormittag richtig gut ging, habe ich auch mal mit dem großen Menschen gekuschelt.
Eigentlich ging es mir in den vier Jahren (Anmerkung des Dosenöffners: vier Katzenjahre sind gemeint, bei den Menschen war das - leider - nur ein Jahr) recht gut, besser als zuvor in meinem langen Leben.
Doch dann wurde es mit den Nieren so schlimm, dass ich mich kaum noch bewegen konnte und auch keinen Appetit mehr hatte. Mein Menschenpapa hat dann noch versucht alle möglichen Leckereien zu besorgen und mir anzubieten, aber ich mochte kaum noch essen. Er hat mir sogar Futter und Wasser an meinen Lieblingsliegeplatz in seinem Computerzimmer gebracht und mich zugedeckt, damit mir nicht kalt wird. Schon ganz lieb, diese Menschen, aber leider konnte ich nicht länger bleiben.
Wir haben uns dann in einer Sonntagnacht (im Mai 2009) verabschiedet und ich habe versprochen, als kleiner Tiger wiederzukommen. Bestimmt haben sie einen neuen Bewohner für mein Tigerheim gefunden. (Anm. siehe Lucky, Tigers Nachfolger)
Machs gut, kleiner Tiger, Du fehlst uns, obwohl wir Dich nur ein Jahr beherbergen durften.
Da ging es mir nicht gut, das waren die letzten Tage.